Agentische Coding-Assistenten haben sich in kurzer Zeit von „Autocomplete auf Steroiden“ zu handlungsfähigen Tools entwickelt: Sie verstehen ein Repository, schlagen nicht nur Code vor, sondern führen auch Aufgaben aus, bearbeiten mehrere Dateien, erstellen Commits/PRs, starten Tests und erklären Architekturentscheidungen – direkt dort, wo Entwickler ohnehin arbeiten: im Terminal.
Wir stellen Ihnen heute drei aktuelle Vertreter dieser „agentischen CLI“-Welle vor: Claude Code, OpenAI Codex und die Open-Source-Alternative Aider. Außerdem gehen wir auf Googles Gemini-Ansatz ein. Und für diejenigen, die hohen Wert auf Privacy und Security legen müssen, zeigen wir einen praxisnahen, selbstbestimmten Stack: Aider + selbst gehostete Open-WebUI-Instanz.
Was „agentisch“ in der CLI eigentlich bedeutet
„Agentisch“ heißt im Coding-Kontext nicht Magie, sondern ein klarer Funktionssprung:
- Repository-Verständnis: Das Tool „liest“ nicht nur einzelne Snippets, sondern orientiert sich im Projekt (Struktur, Abhängigkeiten, Konventionen).
- Mehrschritt-Workflows: Planen → ändern → testen → nachbessern → dokumentieren.
- Werkzeugnutzung: Git-Workflows, Shell-Kommandos, Linter/Test-Runner, Dateioperationen.
- Kontrollierbarkeit: Idealerweise über Diff/Review, Commits, Freigaben, Sicherheitsgrenzen.
Gerade die CLI ist dafür attraktiv, weil sie:
- in bestehende Dev-Workflows passt,
- gut skriptbar ist (CI, Hooks, Makefiles),
- und näher an Git, Tests und Projektstruktur sitzt als ein reiner Browser-Chat.
Claude Code (Anthropic): Agentisches Coding im Terminal
Claude Code positioniert sich explizit als agentic coding tool im Terminal: Es „lebt“ in der Kommandozeile, versteht die Codebase und unterstützt u. a. bei Routineaufgaben, Erklären von Code und Git-Workflows – über natürliche Sprache im CLI-Loop. Installation ist u. a. via Install-Script, Homebrew Cask, PowerShell oder npm möglich, gestartet wird es typischerweise mit claude im Projektverzeichnis.
Wichtig für Unternehmen: Claude Code erwähnt auch Datenerhebung rund um Feedback/Usage (z. B. Akzeptanz von Code-Vorschlägen, Konversationsdaten bei Bug-Reports). Das ist kein „Dealbreaker“, sollte aber in einem internen Rollout geprüft werden (Policies, Sensitivität von Repos, etc.).
Claude Code ist besonders sinnvoll für Teams, die ein starkes „Terminal-first“-Erlebnis wollen, für Workflows mit vielen Git- und Refactoring-Routinen und für schnelle Delegation kleiner bis mittlerer Tasks („mach Tests grün“, „extrahiere Funktion“, „erkläre Modul X“).
Aufgefallen ist uns noch der Humor, den Claude Code an vielen Stellen einsetzt. Insider von Programmierern für Programmierer, immer wieder für ein Schmunzeln gut.
OpenAI Codex: Agentisches Coding lokal plus Cloud-Modus
Codex ist bei OpenAI nicht nur „ein Modell“, sondern ein agentisches Coding-System, das in mehreren Formen verfügbar ist – u. a. als lokale CLI fürs Terminal. Damit passt Codex direkt in den Entwickleralltag: im Repo arbeiten, Änderungen über Diffs nachvollziehen, Tests ausführen und Aufgaben iterativ abarbeiten – ohne den Kontextwechsel in eine reine Browser-Umgebung. OpenAI will dabei, wie Anthropic Claude, den Kern „agentischer CLI-Assistenten“ abbilden: nicht nur Vorschläge machen, sondern konkrete Arbeitsschritte im Projekt übernehmen und dabei toolnah (Git/Test-Runner/Shell) agieren.
OpenAI positioniert Codex außerdem als IDE-Erweiterung (genannt werden u. a. VS Code sowie Cursor und Windsurf), und als Cloud-Variante, bei der Codex Aufgaben in einer isolierten Sandbox ausführen kann. Für Teams ist diese Trennung praktisch: CLI/IDE für schnelle, interaktive Arbeit „am Arbeitsplatz“; Cloud-Sandbox für stärker delegierbare, potenziell längere Tasks, bei denen Isolation, Reproduzierbarkeit und Separation von lokalen Umgebungen Vorteile bringen können.
// Update: Haben Sie schon einen ChatGPT Prompt Account? Sie können einen solchen bereits vorhandenen Account auch für Codex benutzen, Sie benötigen dafür nicht zwingend einen API-Key. Es gibt dann zwar Quotas, wenn man nicht mit API-Key verbindet, aber zumindest um Codex zu erforschen, reicht das allemal.
Google Gemini: eher Browser/IDE als Terminal, inzwischen aber auch CLI
Bisher ist Gemini im Entwicklerkontext vor allem in Browser- und IDE-nahen Workflows präsent. Google bietet mit der Gemini CLI aber mittlerweile auch eine Terminal-Variante an. Wir haben Gemini in diesem Kontext jedoch nicht vertieft getestet und erwähnen es hier nur der Vollständigkeit halber. // Update: Eine sehr gute Anleitung finden Sie bei Datacamp. // Für sicherheitsbewusste Anwender ist zudem entscheidend, welche Teile von Quellcode und Repository-Kontext bei der Nutzung an externe Dienste übertragen werden und welche Compliance-Vorgaben gelten. Für kritische Entwicklungsthemen eignet sich deshalb besonders Aider –
Aider: Open Source, terminal-nativ – und extrem anschlussfähig
Aider ist eine der etabliertesten Open-Source-Lösungen für „AI Pair Programming in your terminal“. Der Fokus: im bestehenden Repo arbeiten, mit Diff/Git-Workflow, und mit sehr vielen Modell-Backends.
Highlights aus den Aider-Projektinfos:
- läuft im Terminal, unterstützt Start im bestehenden Codebase-Kontext
- Git-Integration inkl. „automatisch committen“ mit sinnvollen Messages
- „Maps your codebase“ (Repository-Map), um in größeren Projekten besser zu navigieren
- unterstützt viele Modelle/Provider (Cloud und auch lokale Modelle).
Aider ist damit besonders interessant, wenn Sie:
- Vendor-Lock-in reduzieren wollen,
- Ihren Setup über OpenAI-kompatible APIs oder lokale Modelle abstrahieren möchten,
- und eine Lösung suchen, die sich gut in bestehende Security-/Infra-Patterns einfügt.
Obwohl enorm leistungsfähig und qualitativ sehr hochwertig, ist Aider ein wenig sperriger als die anderen CLI-Assistenten. Wir stellen Ihnen deshalb ein kurzes Script vor, mit dem Sie Aider im aktuellen Verzeichnis starten lassen können und das dann von Aider wie ein Projektverzeichnis bei den Interfaces von Anthropic und OpenAI eingelesen wird.
Erstellen Sie im Projektverzeichnis eine Datei .config-aider oder config-aider und in dieser tragen Sie ein, was zum Projekt gehört:
# Dateien/Patterns, die aider beim Start adden soll *.php icons.svg partials/*.php
Dann erstellen Sie einen Starter für Aider:
#!/bin/bash
set -euo pipefail
export OPENAI_API_BASE="https://server.ai/ollama/v1"
export OPENAI_API_KEY="<Ihr Open-WebUI-API-Key>"
export MODEL_MAIN="glm-4.7:cloud" #bzw. was verfügbar ist
export MODEL_WEAK="gpt-oss:20b" #bzw. was verfügbar ist
export MAP_TOKENS="${AIDER_MAP_TOKENS:-2048}"
export HIST_TOKENS="${AIDER_MAX_CHAT_HISTORY_TOKENS:-30000}"
CFG="config-aider"
[[ -f ".config-aider" ]] && CFG=".config-aider"
args=()
if [[ -f "$CFG" ]]; then
while IFS= read -r line || [[ -n "$line" ]]; do
# trim
line="${line#"${line%%[![:space:]]*}"}"
line="${line%"${line##*[![:space:]]}"}"
[[ -z "$line" || "$line" == \#* ]] && continue
# expand globs
matches=( $line )
if (( ${#matches[@]} )); then
args+=( "${matches[@]}" )
fi
done < "$CFG"
fi
exec /home/mb/.local/bin/aider \
--model "openai/${MODEL_MAIN}" \
--weak-model "openai/${MODEL_WEAK}" \
--map-tokens $MAP_TOKENS \
--max-chat-history-tokens $HIST_TOKENS \
--no-show-model-warnings \
"${args[@]}"
Aus diesem Script können Sie auch ersehen, wie Aider gegen einen OpenAI-kompatiblen API-Endpunkt konfiguriert wird (wie eben z. B. in einer Open-WebUI / Ollama-Umgebung). Aider kann mit Claude und ChatGPT sowie vielen weiteren KI-Systemen zusammenarbeiten. Die Details hängen vom jeweiligen Backend ab (z. B. Open WebUI + Ollama, Proxy/Gateway etc.).
(Übrigens: Falls Sie Aider wie an sich vorgesehen mit dem Befehl „aider“ starten wollen, definieren Sie einfach ein Alias, das auf das Starter-Script zeigt, da ein Alias ja vor dem PATH ausgewertet wird.)
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