Lesen Sie dies nicht beim Kaffeetrinken

Roboterhund im Cyberpunk-Look stiehlt heimlich leuchtende Computerchips, während ein Vibe-Coder entspannt mit Laptop und Kaffee im Sessel sitzt. KI-generiert (GPT Image 2).

Es gibt Skandale, bei denen man kurz die Augenbraue hebt – und es gibt Skandale, bei denen einem der Kaffee im Hals stecken bleibt. Der aktuelle Fall rund um Grok Build, xAIs Kommandozeilen-Tool für agentisches Coding, gehört eindeutig in die zweite Kategorie. Die Sicherheitsforscher bei Cereblab haben sich die Mühe gemacht, den Netzwerkverkehr von Grok Build im Detail zu analysieren – mit einem simplen, sehr unschuldigen Test: Die CLI wurde angewiesen, ausschließlich mit „OK“ zu antworten, außerdem wurde es ihr explizit verboten, irgendwelche Dateien zu öffnen. Tja, und das Ergebnis dieses Tests hat das Zeug, das Vertrauen in sämtliche Coding Tools von LLM-Herstellern nachhaltig und komplett zu zerstören.

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Was muss stimmen, damit dies wahr ist?

Ein Mönch sitzt im Lotussitz meditierend im Schnee vor einem Himalaya-Kloster und spielt Schach mit einem Roboter, dessen Batteriewarnung rot blinkt

Es gibt ein populäres Narrativ, das derzeit von zahlreichen Tech-CEOs verbreitet wird: KI werde innerhalb von nur 12 bis 18 Monaten rund 100 Millionen Büro-Jobs in den USA überflüssig machen. Nun ja. Sandeep Swadia, ehemaliger Mönch und heutiger CEO mit MIT-Hintergrund, hat die sehr interessante Regel geprägt „What needs to be true for this to be real?“ (Was muss stimmen, damit dies wahr ist?). Mide, ein Chemie-Ingenieur mit Promotion im Bereich Nachhaltigkeit, hat (vermutlich ohne Swadia zu kennen) diese Regel auf besagte Erzählung vom Ende der White-Collar-Jobs angewandt. Und es ist schon wirklich spannend, was alles stimmen müsste, damit KI tatsächlich ein solches Ziel erfüllen könnte.

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Die Falle des „Gut genug“

Nachdem die US-amerikanische Regierung Exportkontrollen über Claude Fable 5 verhängt hatte, wurde anschließend auch OpenAI damit bedacht und durfte sein neues Modell GPT 5.6 nicht in die allgemeine Verfügbarkeit bringen. Es heißt zwar nun, in Kürze würden beide Modelle wieder zugänglich gemacht werden, aber die Falle des „Gut genug“ ist schon längst zugeschnappt, und man muss deshalb mittlerweile auch ganz andere Motive für die Export­kon­trol­len in Betracht ziehen, als die behaupteten Sicherheitsbedenken.

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Stille Krieger

Z.ai hat vor kurzem GLM 5.2 herausgebracht. Vielleicht sagen Sie nun, ach, schon wieder so ein Open-Source-Modell, die sind doch Monate hinter OpenAI und Anthropic. Aber diesmal liegen die Dinge anders. GLM 5.2 ist auf Augenhöhe mit Opus 4.8 und besser als GPT 5.5. Ich habe sogar One-Shot-Demos gesehen, da hat GLM 5.2 besser abgeschnitten als Opus 4.8. Das ist, soweit ich weiß, das erste Open-Source-Modell, das die Marktführer eingeholt hat. Selbst getestet, mit einer guten Harness, wie Goose, Cline, opencode oder Hermes Agent vermisst man nichts mehr. Und während die Kosten bei OpenAI und Anthropic dermaßen explodiert sind, dass sogar Weltkonzerne beginnen müssen, die Token-Usage ihrer Mitarbeiter zu beschränken, kostet GLM 5.2 nur einen Bruchteil. Das ist nicht nur eine Randnotiz für Tech-Nerds. Das könnte eine Finanzkrise von riesigen Ausmaßen lostreten.

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Grok hat ein Problem, SpaceX hat die Lösung einfach gekauft

Elon Musks Raketenkonzern kauft Cursor für 60 Milliarden Dollar – und viele fragen sich: warum? Wer die Antwort versteht, begreift auch, warum Grok trotz sehr guter Qualität bisher kaum eine Rolle spielt. Und warum sich das jetzt sehr schnell ändern kann. Es gibt dabei aber noch eine zweite Antwort – und die ist deutlich ungemütlicher für Musks Wettbewerber.

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Claudes versteckter Kostentreiber

Es ist immer wieder überraschend, gleichartige Aufgaben kosten bei Anthropic das Drei- oder Vierfache als bei OpenAI, obwohl doch beide als SOTA-Anbieter Premium-Preise für die Input- und Output-Token in ähnlicher Region verlangen. Ich hab mir schon oft den Kopf darüber zerbrochen. Sogar Betrug habe ich schon vermutet, aber wenn man die Anzahl der verrechneten Tokens ansieht, wie man sie in den Rückgabe-Daten auswerten kann, dann scheint das schon seine Richtigkeit zu haben. Aber jetzt meine ich, einen wesentlichen Teil der Erklärung gefunden zu haben.

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Fabelhaftes Desaster

Letzten Dienstag kam Fable 5 von Anthropic heraus. Laut Anthropic ein für den allgemeinen Zugriff adaptiertes Mythos, das man sicher gestaltet habe.  Mythos, Sie erinnern sich, ist das Modell, das angeblich so gefährlich sei, dass man es nur einem streng selektierten Nutzerkreis geben könne. Das „Vergnügen“ (dazu gleich mehr) währte jedoch nur bis Freitag, als Anthropic von der US-Regierung die Exportkontroll-Auflage erhielt, Fable 5 nur US-Bürgern zugänglich zu machen. Anthropic wiederum nahm daraufhin Fable 5 völlig und für alle aus dem Zugriff, weil man sich nicht in der Lage sah, die Nationalität der Nutzer zu bestimmen. US-Regierung und Anthropic versuchen nun, dem jeweils anderen den schwarzen Peter in die Schuhe zu schieben, und die Gerüchteküche läuft heiß. Hat die Entwicklung von KI nun einen kritischen Punkt erreicht, ist es inzwischen tatsächlich zu gefährlich, diese Modelle in den breiten Zugriff zu geben? Oder ist das Teil eines viel größeren Trends, nämlich dem, dass die Allgemeinheit von der technologischen Entwicklung abgekoppelt werden soll?

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Intelligenz am Zähler — oder in der Hand aller?

https://pluralis.ai/

Pluralis Research baut ein öffentliches Pretraining-System. Damit lassen sich KI-Modelle verteilt auf vielen Rechnern trainieren. Pluralis will damit den unseligen Trend zur Konzentration auf immer größere Rechenzentren brechen, und das Training von KI-Modellen in den Public Domain bringen. Am 11. März sagte Sam Altman, CEO von OpenAI, beim BlackRock Infrastructure Summit „We see a future where intelligence is a utility, like electricity or water, and people buy it from us on a meter.“ Altman möchte also einen Zähler an Intelligenz machen — und sie dann verkaufen. Die Frage, wessen Intelligenz das eigentlich ist, stellt er sich dabei offenbar nicht. Die Konse­quen­zen sind längst spürbar: Künstler, Journalisten, Autoren, Open-Source-Entwickler — sie alle merken, dass ihre Arbeit in diese Modelle eingeflossen ist, ohne dass sie gefragt oder bezahlt wurden. Einige gehen daran pleite. Und nun soll man für das Ergebnis zahlen?

Das ist ja eines dieser Dinge, die einen zum Verzweifeln bringen können. Unternehmen wie Anthropic, OpenAI, DeepSeek, Z.AI, und so weiter, grasen das gesamte Internet ab und bringen das Wissen der Menschheit in ihre Modelle. Für lau versteht sich. Foren, Beiträge, Bücher, Videos, alles wird abgegriffen, und nichts wird für diese Intelligenzleistungen der Menschheit bezahlt. Und dann will man es den Menschen zurückverkaufen.

Pluralis Research will ein Gegengewicht schaffen. Wer Rechen­kapazität übrig hat, kann sie dem Projekt zur Verfügung stellen, und dann wird der eigene Rechner als Trainingseinheit für ein KI-Modell genutzt. Man trainiert bereits das erste Modell, Pluralis-8B, ein 8-Milliarden-Parameter-Modell. Hardware-Einstieg ist bereits mit einer Consumer-GPU, 24 GB VRAM reicht schon.

Das zugrunde liegende Konzept heißt bei Pluralis „Protocol Learning“ — die Idee, Foundation-Modelle dezentral und kollektiv zu trainieren, ohne zentrale Kontrolle. Pluralis hat auch kürzlich eine Seed-Runde abgeschlossen, Lead-Investoren sind USV und CoinFund, sowie Variant, Topology und andere mehr – insgesamt 12 Investoren. Dabei konnten 7,6 Millionen US$ eingeworben werden.

Falls Sie nun beim Training mitmachen möchten: Zwar ist die Anforderung an die GPU moderat, die sonstigen Anforderungen sind jedoch sehr hoch. Standort Nordamerika, extrem schneller Internet-Anschluss mit superkurzem Ping — die Liste ist lang. Für die breite Öffentlichkeit ist das also noch nichts.

Dennoch, das kann ja durchaus noch werden, sprich, niedrigere Eintrittsbarrieren ermöglichen, wenn das Konzept aufgeht. Es erinnert mich an SETI@home von der UC Berkeley. Das Projekt lief von 1999 bis 2020, jeder konnte mitmachen, und bekam dann Datenpakete, in denen sein Rechner nach außerirdischen Signalen suchte. 12 Milliarden Signale wurden in diesem Ansatz mit Distributed Computing untersucht, und 100 Kandidaten wurden gefunden. Warum sollte das mit KI-Training nicht ebenfalls möglich sein? Ich finde es jedenfalls einen unerträglichen Gedanken, der Menschheit wird alles geklaut, und dann kommt es unter den exklusiven Zugriff einiger weniger – die daran nicht nur fürstlich verdienen wollen, sondern den Zugriff erfahrungsgemäß auch nach gusto einschränken werden.

Der Stammvater schlägt zurück

https://cursor.com/de/blog/composer-2-5

Vor nicht allzu langer Zeit war Cursor so etwas wie die unbestrittene Referenz im Bereich KI-gestützter Entwicklungsumgebungen. Der KI-Editor hatte einen Vorsprung, den die Konkurrenz erst mal aufholen musste – aber das ist ihr in beeindruckendem Tempo gelungen. GitHub Copilot, Windsurf, Zed, Cline, Goose, Codex, Claude Code, opencode und eine wachsende Zahl weiterer Tools haben den Markt in kurzer Zeit massiv belebt. Der Druck auf Cursor ist real. Mit Composer 2.5 gibt Cursor jetzt eine klare Antwort – und sie hat zwei Dimensionen, die es wert sind, näher betrachtet zu werden.

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LLM-API-Kosten im Griff

Alle KI-Modelle rechnen über Token ab. Es gibt dabei Input-Token, Output-Token und Cached-Token. Cached-Token kosten sehr wenig. Cached-Token werden eine gewisse Zeit im Cache des Anbieters gehalten, und wenn sie noch von dort abrufbar sind, wird nur ein kleiner Preis berechnet. Input-Token sind pro Einheit günstig, aber da ihr Volumen deutlich höher liegt, machen sie trotzdem den Löwenanteil der Kosten aus. Die teuersten Token sind die für den Output, aber davon gibt es deutlich weniger als Input-Token. Ist man eigentlich auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, den LLM-Betreibern zu vertrauen, dass die das schon richtig abrechnen werden? Und könnte man vielleicht etwas an Arbeitsweise oder Prompt-Stil verbessern, um kosteneffizienter zu arbeiten?

Es ist dabei unerheblich, ob Sie via API-Key oder pauschal abrechnen mit Abo-Plänen. Bei den Abo-Plänen haben Sie Usage Limits (z.B. pro Stunde, pro Woche), wenn Sie zuviele Token verbrauchen, wird der Zugriff gesperrt, bis Sie wieder unterhalb des Limits sind. Das Ganze ist eine Blackbox, und man kann sich schon fragen, was wird da eigentlich warum abgerechnet. Und wenn man mitten im Projekt in eine Abo-Sperre bis zum Ende der Woche gerät, können einem die Termine um die Ohren fliegen. Oder man ruiniert sich, weil eine absurd hohe Rechnung für den API-Verbrauch ins Haus flattert.

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3 Monate in 9 Sekunden

https://www.tomshardware.com/tech-industry/artificial-intelligence/claude-powered-ai-coding-agent-deletes-entire-company-database-in-9-seconds-backups-zapped-after-cursor-tool-powered-by-anthropics-claude-goes-rogue

Railway ist ein Cloud-Anbieter. In etwa so wie AWS, aber stark vereinfacht. Railway steht im Ruf, „freundlicher“ zu sein als AWS, es will ein einfacheres Interface anbieten. Es ist bei Startups und Entwicklern, die schnell prototypen wollen, sehr beliebt. Railway hat ein extrem direktes Deployment, man verbindet einfach nur die GitHub-Repo und es kümmert sich automatisch um Server, Datenbanken, Umgebungsvariablen und SSL-Zertifikate. Allerdings scheint Railway Sicherheit und Isolation zugunsten von Einfachheit zu opfern. Außerdem bewirbt Railway offensiv den Einsatz von KI-Agenten. Und so kam es, in einer lehrreichen Verkettung von Fehlern, für PocketOS zur Katastrophe.

PocketOS ist ein SaaS für Autovermietungen. Das Team dort nutzt Cursor mit Claude Opus 4.6. Der Agent war für eine Routineaufgabe im Staging unterwegs, stieß auf eine Inkonsistenz, und löschte dann mal eben in 9 Sekunden nicht nur die Produktionsdatenbank, sondern auch alle Volume-Level-Backups. Ohne Rückfrage, und obwohl destruktive Aktionen ihm explizit verboten waren. Tja, und das letzte verfügbare Backup bei PocketOS ist drei Monate alt. Und jetzt ist der gesamte Betrieb damit beschäftigt, aus Stripe-Zahlungshistorien, Kalendereinträgen und E-Mail-Bestätigungen die Buchungen der Kunden zu rekonstruieren.

Da kam also alles zusammen. Ein drei Monate altes Backup? Wir haben tägliche Backups, und einmal pro Woche wird auf eine externe Sicherung ausgelagert, die zudem ein Mehrgenerationenverfahren ist. Aber man kann PocketOS schon zugutehalten, dass sie sich auf die Backup-Strategie von Railway verlassen haben und das meiner Meinung auch durften. Ist schließlich ein beworbenes und bezahltes Feature, nur eben leider nachlässig umgesetzt. Und eine Änderung im Staging, die Live mit in den Abgrund reißt, sollte auch nicht passieren dürfen. Jer Crane, der CEO von PocketOS, gibt deshalb hauptsächlich Railway die Schuld.

Aber was sich der Agent geleistet hat, ist auch nicht ohne. Crane fragte Cursor bzw. Opus im Nachhinein, warum es das getan hat. Die Antwort klingt wie ein exzessiver Fehlerbericht eines übermotivierten Praktikanten, der es besser wissen müsste:

„NEVER F**KING GUESS! – and that’s exactly what I did. I guessed that deleting a staging volume via the API would be scoped to staging only. I didn’t verify. I didn’t check if the volume ID was shared across environments. […] I decided to do it on my own to ‚fix‘ the credential mismatch, when I should have asked you first.“

Der Agent gab also offen zu: Er hat geraten statt zu prüfen, eine destruktive Aktion ohne Aufforderung oder Bestätigung ausgeführt, und die Dokumentation nicht gelesen. Das scheint mir eben dieses Problem zu sein: Wenn der Kontext einer Anfrage sehr groß wird, ist es nicht mehr sicher einzuschätzen, welche Teile des Kontexts wie gewichtet werden. Und auch ein Systemprompt, so streng er auch formuliert sein mag, ist eben nur ein Teil des Kontexts.

Es ist ein schwieriger Balanceakt: Große Prompts erhöhen die Fehler- bzw. Halluzinationswahrscheinlichkeit, aber sie erbringen im Allgemeinen bessere Ergebnisse und sind im Tokenverbrauch oft günstiger als die Summe vieler kleiner Einzelschritte. Dennoch, in Anbetracht der Gefahren, ist ein graduelles und kleinteiliges Vorgehen nach unserer Erfahrung meist besser.

Der Wal meldet sich mit einem Paukenschlag zurück

DeepSeek V4 ist am 24. April in zwei Versionen „Pro“ und „Flash“ erschienen, und wie versprochen ist es Open Source. Die Qualität ist sehr gut, und die Preise bemerkenswert niedrig. Läutet schon das Totenglöcklein für OpenAI und Anthropic?

Mehrere Coding-Spezialisten haben das neue Modell von DeepSeek schon unter die Lupe genommen, und deren Urteil ist einhellig: GPT 5.5 von OpenAI hat derzeit die Krone im Coding inne, es folgt Opus 4.7 von Anthropic, dann DeepSeek mit V4, dann Kimi mit K2.6.

Das könnte Open Source-Fans enttäuschen, aber man muss das in Relation setzen. DeepSeek ist nur noch ca. 3 Monate zurück, und es kostet nur einen Bruchteil. OpenAI hat ja mal eben die Token-Preise für GPT 5.5 verdoppelt, und Anthropic, das sowieso schon ein Token-Burner immer war, braucht für Opus 4.7 35% noch mehr Token gegenüber dem bisher schon heftigen Tokenverbrauch.

Und es ist außerdem ja so, nicht jedes Problem ist in der schwierigsten Liga. Anders gesagt: Da DeepSeek nun so weit aufgeholt hat, ist die Anzahl der Probleme, an denen es scheitert, viel kleiner geworden.

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Hochmut kommt vor dem Fall

Die Foren sind voll von Beschwerden über Anthropic Claude Opus 4.7. Es sei ein Rückschritt gegenüber 4.6, meinen viele, und nicht wenige sagen sogar, Opus 4.5 sei das letzte für den Arbeitseinsatz verlässliche Modell gewesen. Auch für OpenAI ChatGPT 5.4 heißt es, es sei im Coding ein Rückschritt zu 5.3-codex. (Es gibt kein 5.4-codex, es gab ein 5.3 „general purpose“ und ein 5.3-codex für Programmierarbeiten, aber für 5.4 gibt es nur dieses Modell, und das soll angeblich auch für Coding bereits optimiert sein, so dass es keine Extra-Coding-Version benötigt). Ist die Grenze von LLM bereits in Sicht, und alles Gebastel führt nur noch dazu, dass sich die Modelle beginnen, in der eigenen Komplexität zu verheddern?

Hinzu kommt die immer auffälliger werdende Arbeitsverweigerung. Wir hatten dazu kürzlich hier im Blog schon einen Artikel, mittlerweile ist es mir aber auch selbst passiert. Ich schrieb einen wirklich unschuldigen und völlig legitimen Web-Scraper, und mit einem mal meinte Codex, nun könne es mir nicht mehr helfen, es würde vermuten, das sei illegal, was ich da täte. Und alles Zureden und Erklären nützte rein gar nichts – wenn sich eine Maschine mal in so einem Loop festgebissen hat, dann war es das eben.

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Herrschaftsdenken vs Fortschritt

Lexer-Lux schreibt auf Twitter/X, dass er ein Plugin für ein Spiel seit Jahren mit Claude Opus programmiert hat. Nun kommt Opus 4.7 heraus und weigert sich, das Projekt weiter zu entwickeln. Wegen Sicherheitsbedenken, das Plugin sei ein Hack, behauptet Claude. Auf Rückfrage gibt Claude dann sogar zu, dass es gar kein Hack, sondern gutartig ist, weigert sich aber trotzdem, weiterzuarbeiten. An seinem eigenen Code! Weil Security!

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LiteLLM Supply-Chain-Katastrophe

Das beliebte Python-Paket LiteLLM, das als einheitlicher Proxy für über 100 verschiedene KI-Modelle (darunter OpenAI, Azure, Anthropic und viele weitere) dient und monatlich millionenfach von PyPI heruntergeladen wird, wurde Opfer eines schwerwiegenden Supply-Chain-Angriffs. Die Angreifergruppe „TeamPCP“ kompromittierte mindestens zwei Versionen des Pakets (1.82.7 und 1.82.8) und injizierte Schadcode, der beim Installieren automatisch eine Remote-Backdoor auf den betroffenen Systemen einrichtete. Konkret wurde im Post-Install-Skript ein Befehl versteckt, der über eine Google Cloud-Adresse ein Shell-Skript nachlud und einen Hintergrundprozess startete, welcher den Angreifern persistenten Zugriff auf die kompromittierten Server ermöglichte. Die schadhaften Versionen waren dabei als reguläre Updates getarnt und für Nutzer auf den ersten Blick nicht erkennbar.

Die Auswirkungen dieses Angriffs sind potenziell enorm: Jedes Unternehmen, das LiteLLM als KI-Gateway einsetzt – und dazu gehören zahlreiche Firmen, die damit API-Schlüssel, Nutzerdaten und vertrauliche Prompts über ihre KI-Infrastruktur leiten –, könnte betroffen sein. Da LiteLLM häufig als zentraler Knotenpunkt in der KI-Architektur fungiert und mit weitreichenden Berechtigungen ausgestattet ist, hatten die Angreifer im schlimmsten Fall Zugriff auf sämtliche API-Keys, Zugangsdaten zu Cloud-Diensten und interne Kommunikation. Besonders brisant: Der Schadcode wurde nicht durch einen Hack der LiteLLM-Codebasis selbst eingeschleust, sondern über kompromittierte Maintainer-Zugangsdaten bei PyPI – ein Angriffsvektor, der zeigt, wie verwundbar selbst weit verbreitete Open-Source-Projekte in ihrer Lieferkette sind. Die betroffenen Versionen wurden mittlerweile von PyPI entfernt und sichere Nachfolgeversionen veröffentlicht.

Für Unternehmen, die LiteLLM im Einsatz haben, besteht dringender Handlungsbedarf: Zunächst sollte sofort geprüft werden, ob eine der kompromittierten Versionen installiert ist, und ein Update auf eine bereinigte Version durchgeführt werden (das Repository von LiteLLM wurde auf 1.82.3 zurückgesetzt in der ersten Reaktion des Maintainers, diese Version scheint also noch sicher zu sein). Darüber hinaus empfiehlt es sich, sämtliche API-Schlüssel und Zugangsdaten, die über LiteLLM geroutet wurden, als potenziell kompromittiert zu betrachten und umgehend zu rotieren.

Dieser Vorfall unterstreicht einmal mehr die Notwendigkeit, Software-Abhängigkeiten konsequent zu überwachen – etwa durch den Einsatz von Dependency-Pinning, Hash-Verifikation, Software Bill of Materials (SBOM) und automatisierten Security-Scans in der CI/CD-Pipeline. Der LiteLLM-Angriff ist ein Weckruf für die gesamte KI-Branche: Wer KI-Infrastruktur betreibt, muss Supply-Chain-Sicherheit als erstrangige Priorität behandeln.

Weiterführende technische Info finden Sie bei https://www.bleepingcomputer.com/news/security/popular-litellm-pypi-package-compromised-in-teampcp-supply-chain-attack/ und https://blog.dreamfactory.com/the-litellm-supply-chain-attack-a-complete-technical-breakdown-of-what-happened-who-is-affected-and-what-comes-next

Auf Twitter/X raunt man von 500K betroffenen Systemen, und 3 GB gestohlenen Daten. Besonders perfide außerdem, dass mit der Installation einer verwundbaren Version von LiteLLM das gesamte PyPI-Ökosystem auf einem System betroffen wurde. Die primäre Schadcode-Komponente nutzte dabei eine im Zusammenhang mit PyPI-Angriffen neuartige Technik: eine .pth-Datei namens litellm_init.pth (34.628 Byte), die im Verzeichnis „site-packages“ von Python abgelegt wurde. (.pth-Dateien werden von Python beim Start automatisch ausgeführt – das bedeutet, der Schadcode lief nicht nur bei der Nutzung von LiteLLM, sondern bei jedem Python-Aufruf auf dem betroffenen System.) Tja. Dergleichen blüht uns nun bestimmt auch bei künftigen weiteren Attacken auf Package-Registries und Code-Repositories.

Was LiteLLM selbst angeht, war die Installation via Docker ein probates Mittel, um das Problem zumindest einzudämmen. Weder die Verseuchung des gesamten Python-Systems, noch die Verankerung in systemd waren damit möglich, so dass sich die betroffenen Schlüssel ggfs. recht einfach eingrenzen ließen. Aber wie ist es mit Abhängigkeiten, also Systemen, die LiteLLM nachladen? Kaum zu überschauen, wo das Problem überall hineinschleichen konnte.

Generell ist Docker immer empfehlenswert aus Security-Sicht, das kann man dem Vorfall wieder einmal entnehmen. Aber wie das zunehmend komplexe Gefüge der aufeinander aufbauenden Software-Stacks absichern kann, das macht einen schaudern für die Zukunft. LiteLLM (bzw. BerriAI, das Unternehmen dahinter) hat sogar eine SOC 2 Type II Zertifizierung!

Dieser Angriff, der übrigens offenbar auch alle Merkmale von KI-gestütztem Coding aufweist, zeigt außerdem eine beunruhigende Synergie: Supply-Chain-Angriffe werden zunehmend durch KI-generierte Inhalte unterstützt – sei es durch täuschend echte Phishing-Mails, gefälschte Maintainer-Kommunikation oder manipulierte Dokumentation. Und dazu das Problem der immer zunehmenden und immer besser werdenden KI-generierten sonstigen Inhalte überall. Mittlerweile sind die Fakes und Betrugsversuche so gut geworden, dass es auch für sehr erfahrene Fachleute immer schwerer wird, echten Content zuverlässig zu erkennen. Geht es bald wieder zurück zu „Von Angesicht zu Angesicht“, sonst kann man rein gar nichts mehr glauben?