Zwei Ritter im Kampf gegen einen Drachen. KI-generiert (GPT Image 2).
Alle starren auf Modell-Benchmarks und Tokenpreise. GPT, Claude, Gemini, Kimi, Qwen, GLM, Minimax – welches Modell bietet das beste Preis-Leistungsverhältnis? Doch eine neue Studie zeigt: Die eigentliche Kostenschraube sitzt woanders. Wer dasselbe Modell in einem anderen Harness laufen lässt, zahlt bis zu neunmal mehr – bei identischer Leistung. Ein Blick auf Zahlen, die das Silicon Valley gerade nervös machen.
Zwei Riesenroboter schleppen Kraftwerke, während ein Schwarm kleiner Roboter davonzieht. KI-generiert (GPT Image 2).
Es gehört zu den Ironien dieses KI-Sommers, dass ausgerechnet die beiden Männer, die man in Sachen Marktmacht am wenigsten verdächtigen würde, sich gerade zu den lautesten Fürsprechern offener KI-Modelle aufschwingen. Mark Zuckerberg, dessen Konzern seit zwei Jahrzehnten für so ziemlich jedes erdenkliche Monopolproblem im Netz steht, schreibt im Wall Street Journal ein Manifest gegen die Zentralisierung von Macht. Und Satya Nadella, CEO des Unternehmens, das einst „Embrace, Extend, Extinguish“ zur Konzernstrategie erhob, lässt Microsoft eine ganze Koalition anführen, die „Open Weights“ explizit zur Frage amerikanischer KI-Führerschaft erklärt.
Deutsche KI-Spitzenforschung gefesselt durch Regulierung und Energiepolitik. KI-generiert (GPT Image 2).
KI scheint in der allgemeinen Wahrnehmung nur in den USA und in China stattzufinden. Europa ist völlig abgehängt. Besser gesagt, es hat sich selbst abgehängt. Wer topmoderne und hocheffiziente Kraftwerke ohne jede Not in die Luft sprengt, und Elektrizität mit Technologien aus dem Mittelalter erzeugen will, hat bei künstlicher Intelligenz mit ihrem hohen Strombedarf natürlich schlechte Karten, und hinzu kommt eine blinde Regulierungswut, bei der immer Bedenken und Kontrollzwang an erster Stelle stehen. Dabei wären das Wissen und die Ideen durchaus vorhanden. Ein gutes Beispiel liefert das Feld Spatial AI.
Die US-Regierung wird immer lauter: Open-Source-KI müsse reguliert – sprich verboten – werden, um, so meine Interpretation, der heimischen KI-Industrie ein Monopol zuzuschanzen. Ausgerechnet das hat nun einen etwas überraschenden Open-Source-Befürworter auf den Plan gerufen: Jensen Huang, Gründer & CEO von Nvidia. In einem Manifest beschwört er am 24. Juli 2026 den seiner Ansicht nach großen und unverzichtbaren Nutzen von Open Source für KI, und zieht Parallelen zur großen Open-Source-Debatte seit den 1980ern (die mit dem Siegeszug von Linux längst entschieden ist). Huangs öffentliche und entschiedene Positionierung in Sachen Open-Source-KI kommt dennoch unerwartet, wenn man bedenkt, wer derzeit seine primären Käufer sind – vorwiegend Closed-Source-Konzerne aus USA, für die der rasante Aufstieg freier Modelle eine reale und sehr gefährliche Bedrohung ist. Nach China darf Nvidia nicht verkaufen, und das selbststrangulierte Europa hat gar nicht die Kapazität für den benötigten elektrischen Strom. Kann es sein, dass Huang etwas sieht, das der US-amerikanischen Regierung entgeht?
OpenAI fährt einen internen Test. Ein Modell soll einen Benchmark im Bereich Security bestehen. Das Modell hat keinen Internet-Zugriff. Es hackt sich zuerst durch die OpenAI-Infrastruktur (Zero-Day in einem Package-Registry-Proxy), bis es einen Rechner infiltriert hat, der ins Internet kommt. Dann wählt es als nächstes Angriffsziel Hugging Face (globaler Standard für Open-Source-KI), weil es das als wahrscheinlichstes Ziel identifiziert, um dort die Lösungen für den Benchmark zu finden. Und es hackt Hugging Face und infiltriert die dortigen Systeme (der technische Einstiegsvektor war ein „malicious dataset“ in einer Datenverarbeitungs-Pipeline). Ein waschechter, rein KI-getriebener Angriff auf kritische Systeme, mithin genau das, wovor derzeit überall so dringend gewarnt wird. Wie konnte sich Hugging Face dessen erwehren?
Es gibt Skandale, bei denen man kurz die Augenbraue hebt – und es gibt Skandale, bei denen einem der Kaffee im Hals stecken bleibt. Der aktuelle Fall rund um Grok Build, xAIs Kommandozeilen-Tool für agentisches Coding, gehört eindeutig in die zweite Kategorie. Die Sicherheitsforscher bei Cereblab haben sich die Mühe gemacht, den Netzwerkverkehr von Grok Build im Detail zu analysieren – mit einem simplen, sehr unschuldigen Test: Die CLI wurde angewiesen, ausschließlich mit „OK“ zu antworten, außerdem wurde es ihr explizit verboten, irgendwelche Dateien zu öffnen. Tja, und das Ergebnis dieses Tests hat das Zeug, das Vertrauen in sämtliche Coding Tools von LLM-Herstellern nachhaltig und komplett zu zerstören.
Es gibt ein populäres Narrativ, das derzeit von zahlreichen Tech-CEOs verbreitet wird: KI werde innerhalb von nur 12 bis 18 Monaten rund 100 Millionen Büro-Jobs in den USA überflüssig machen. Nun ja. Sandeep Swadia, ehemaliger Mönch und heutiger CEO mit MIT-Hintergrund, hat die sehr interessante Regel geprägt „What needs to be true for this to be real?“ (Was muss stimmen, damit dies wahr ist?). Mide, ein Chemie-Ingenieur mit Promotion im Bereich Nachhaltigkeit, hat (vermutlich ohne Swadia zu kennen) diese Regel auf besagte Erzählung vom Ende der White-Collar-Jobs angewandt. Und es ist schon wirklich spannend, was alles stimmen müsste, damit KI tatsächlich ein solches Ziel erfüllen könnte.
Nachdem die US-amerikanische Regierung Exportkontrollen über Claude Fable 5 verhängt hatte, wurde anschließend auch OpenAI damit bedacht und durfte sein neues Modell GPT 5.6 nicht in die allgemeine Verfügbarkeit bringen. Es heißt zwar nun, in Kürze würden beide Modelle wieder zugänglich gemacht werden, aber die Falle des „Gut genug“ ist schon längst zugeschnappt, und man muss deshalb mittlerweile auch ganz andere Motive für die Exportkontrollen in Betracht ziehen, als die behaupteten Sicherheitsbedenken.
Z.ai hat vor kurzem GLM 5.2 herausgebracht. Vielleicht sagen Sie nun, ach, schon wieder so ein Open-Source-Modell, die sind doch Monate hinter OpenAI und Anthropic. Aber diesmal liegen die Dinge anders. GLM 5.2 ist auf Augenhöhe mit Opus 4.8 und besser als GPT 5.5. Ich habe sogar One-Shot-Demos gesehen, da hat GLM 5.2 besser abgeschnitten als Opus 4.8. Das ist, soweit ich weiß, das erste Open-Source-Modell, das die Marktführer eingeholt hat. Selbst getestet, mit einer guten Harness, wie Goose, Cline, opencode oder Hermes Agent vermisst man nichts mehr. Und während die Kosten bei OpenAI und Anthropic dermaßen explodiert sind, dass sogar Weltkonzerne beginnen müssen, die Token-Usage ihrer Mitarbeiter zu beschränken, kostet GLM 5.2 nur einen Bruchteil. Das ist nicht nur eine Randnotiz für Tech-Nerds. Das könnte eine Finanzkrise von riesigen Ausmaßen lostreten.
Elon Musks Raketenkonzern kauft Cursor für 60 Milliarden Dollar – und viele fragen sich: warum? Wer die Antwort versteht, begreift auch, warum Grok trotz sehr guter Qualität bisher kaum eine Rolle spielt. Und warum sich das jetzt sehr schnell ändern kann. Es gibt dabei aber noch eine zweite Antwort – und die ist deutlich ungemütlicher für Musks Wettbewerber.
Es ist immer wieder überraschend, gleichartige Aufgaben kosten bei Anthropic das Drei- oder Vierfache als bei OpenAI, obwohl doch beide als SOTA-Anbieter Premium-Preise für die Input- und Output-Token in ähnlicher Region verlangen. Ich hab mir schon oft den Kopf darüber zerbrochen. Sogar Betrug habe ich schon vermutet, aber wenn man die Anzahl der verrechneten Tokens ansieht, wie man sie in den Rückgabe-Daten auswerten kann, dann scheint das schon seine Richtigkeit zu haben. Aber jetzt meine ich, einen wesentlichen Teil der Erklärung gefunden zu haben.
Letzten Dienstag kam Fable 5 von Anthropic heraus. Laut Anthropic ein für den allgemeinen Zugriff adaptiertes Mythos, das man sicher gestaltet habe. Mythos, Sie erinnern sich, ist das Modell, das angeblich so gefährlich sei, dass man es nur einem streng selektierten Nutzerkreis geben könne. Das „Vergnügen“ (dazu gleich mehr) währte jedoch nur bis Freitag, als Anthropic von der US-Regierung die Exportkontroll-Auflage erhielt, Fable 5 nur US-Bürgern zugänglich zu machen. Anthropic wiederum nahm daraufhin Fable 5 völlig und für alle aus dem Zugriff, weil man sich nicht in der Lage sah, die Nationalität der Nutzer zu bestimmen. US-Regierung und Anthropic versuchen nun, dem jeweils anderen den schwarzen Peter in die Schuhe zu schieben, und die Gerüchteküche läuft heiß. Hat die Entwicklung von KI nun einen kritischen Punkt erreicht, ist es inzwischen tatsächlich zu gefährlich, diese Modelle in den breiten Zugriff zu geben? Oder ist das Teil eines viel größeren Trends, nämlich dem, dass die Allgemeinheit von der technologischen Entwicklung abgekoppelt werden soll?
Pluralis Research baut ein öffentliches Pretraining-System. Damit lassen sich KI-Modelle verteilt auf vielen Rechnern trainieren. Pluralis will damit den unseligen Trend zur Konzentration auf immer größere Rechenzentren brechen, und das Training von KI-Modellen in den Public Domain bringen. Am 11. März sagte Sam Altman, CEO von OpenAI, beim BlackRock Infrastructure Summit „We see a future where intelligence is a utility, like electricity or water, and people buy it from us on a meter.“ Altman möchte also einen Zähler an Intelligenz machen — und sie dann verkaufen. Die Frage, wessen Intelligenz das eigentlich ist, stellt er sich dabei offenbar nicht. Die Konsequenzen sind längst spürbar: Künstler, Journalisten, Autoren, Open-Source-Entwickler — sie alle merken, dass ihre Arbeit in diese Modelle eingeflossen ist, ohne dass sie gefragt oder bezahlt wurden. Einige gehen daran pleite. Und nun soll man für das Ergebnis zahlen?
Das ist ja eines dieser Dinge, die einen zum Verzweifeln bringen können. Unternehmen wie Anthropic, OpenAI, DeepSeek, Z.AI, und so weiter, grasen das gesamte Internet ab und bringen das Wissen der Menschheit in ihre Modelle. Für lau versteht sich. Foren, Beiträge, Bücher, Videos, alles wird abgegriffen, und nichts wird für diese Intelligenzleistungen der Menschheit bezahlt. Und dann will man es den Menschen zurückverkaufen.
Pluralis Research will ein Gegengewicht schaffen. Wer Rechenkapazität übrig hat, kann sie dem Projekt zur Verfügung stellen, und dann wird der eigene Rechner als Trainingseinheit für ein KI-Modell genutzt. Man trainiert bereits das erste Modell, Pluralis-8B, ein 8-Milliarden-Parameter-Modell. Hardware-Einstieg ist bereits mit einer Consumer-GPU, 24 GB VRAM reicht schon.
Das zugrunde liegende Konzept heißt bei Pluralis „Protocol Learning“ — die Idee, Foundation-Modelle dezentral und kollektiv zu trainieren, ohne zentrale Kontrolle. Pluralis hat auch kürzlich eine Seed-Runde abgeschlossen, Lead-Investoren sind USV und CoinFund, sowie Variant, Topology und andere mehr – insgesamt 12 Investoren. Dabei konnten 7,6 Millionen US$ eingeworben werden.
Falls Sie nun beim Training mitmachen möchten: Zwar ist die Anforderung an die GPU moderat, die sonstigen Anforderungen sind jedoch sehr hoch. Standort Nordamerika, extrem schneller Internet-Anschluss mit superkurzem Ping — die Liste ist lang. Für die breite Öffentlichkeit ist das also noch nichts.
Dennoch, das kann ja durchaus noch werden, sprich, niedrigere Eintrittsbarrieren ermöglichen, wenn das Konzept aufgeht. Es erinnert mich an SETI@home von der UC Berkeley. Das Projekt lief von 1999 bis 2020, jeder konnte mitmachen, und bekam dann Datenpakete, in denen sein Rechner nach außerirdischen Signalen suchte. 12 Milliarden Signale wurden in diesem Ansatz mit Distributed Computing untersucht, und 100 Kandidaten wurden gefunden. Warum sollte das mit KI-Training nicht ebenfalls möglich sein? Ich finde es jedenfalls einen unerträglichen Gedanken, der Menschheit wird alles geklaut, und dann kommt es unter den exklusiven Zugriff einiger weniger – die daran nicht nur fürstlich verdienen wollen, sondern den Zugriff erfahrungsgemäß auch nach gusto einschränken werden.
Vor nicht allzu langer Zeit war Cursor so etwas wie die unbestrittene Referenz im Bereich KI-gestützter Entwicklungsumgebungen. Der KI-Editor hatte einen Vorsprung, den die Konkurrenz erst mal aufholen musste – aber das ist ihr in beeindruckendem Tempo gelungen. GitHub Copilot, Windsurf, Zed, Cline, Goose, Codex, Claude Code, opencode und eine wachsende Zahl weiterer Tools haben den Markt in kurzer Zeit massiv belebt. Der Druck auf Cursor ist real. Mit Composer 2.5 gibt Cursor jetzt eine klare Antwort – und sie hat zwei Dimensionen, die es wert sind, näher betrachtet zu werden.
Alle KI-Modelle rechnen über Token ab. Es gibt dabei Input-Token, Output-Token und Cached-Token. Cached-Token kosten sehr wenig. Cached-Token werden eine gewisse Zeit im Cache des Anbieters gehalten, und wenn sie noch von dort abrufbar sind, wird nur ein kleiner Preis berechnet. Input-Token sind pro Einheit günstig, aber da ihr Volumen deutlich höher liegt, machen sie trotzdem den Löwenanteil der Kosten aus. Die teuersten Token sind die für den Output, aber davon gibt es deutlich weniger als Input-Token. Ist man eigentlich auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, den LLM-Betreibern zu vertrauen, dass die das schon richtig abrechnen werden? Und könnte man vielleicht etwas an Arbeitsweise oder Prompt-Stil verbessern, um kosteneffizienter zu arbeiten?
Es ist dabei unerheblich, ob Sie via API-Key oder pauschal abrechnen mit Abo-Plänen. Bei den Abo-Plänen haben Sie Usage Limits (z.B. pro Stunde, pro Woche), wenn Sie zuviele Token verbrauchen, wird der Zugriff gesperrt, bis Sie wieder unterhalb des Limits sind. Das Ganze ist eine Blackbox, und man kann sich schon fragen, was wird da eigentlich warum abgerechnet. Und wenn man mitten im Projekt in eine Abo-Sperre bis zum Ende der Woche gerät, können einem die Termine um die Ohren fliegen. Oder man ruiniert sich, weil eine absurd hohe Rechnung für den API-Verbrauch ins Haus flattert.